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Reimereien

Hier eine kleine Sammlung von Gelegenheitsgedichten aus der Studienzeit in Leipzig in Mittelhochdeutsch oder mit mittelalterlichen oder sonstigen irgendwie literarischen Thematiken:

Geburtstagssonett für Ute

Vroide, sang unde âne frâge
Überrîche wîn unde bier-
Nahts von aht bis vrüe um vier
Festieren wir in guoter lâge.
Under ulmen ûf dem plân
Niezen wir diu guoten spîsen.
Dich nur woln wir hiute prîsen
Ze bass unde ouch soprân,
Wan hiute ist dîn grôzer tac.
Ân tougen woln wir tühtic trinken!
Nahtegallen unde finken,
Zirpen dir im grüenen hac.
Iemerdar seist du geêret,
Gelt unde vroide stets vermêret.

Anne-Ka, Mai 2006

Gruß von der Wartburg

Dieses Gedicht hatten wir auf eine Postkarte an HUS geschrieben, die dann aber wohl nicht angekommen ist. Anlass war ein Ausflug zur Wartburg, wie man ja im Text auch merkt.

Wir sint ûf der burc gewesen,
diu arssîtec man mac schouwen.
Dissîtec mac man worte lesen.
Vil grüeze von den reinen vrouwen,
von Walther unde Elisabeth,
Heinrich, Martin unde Hermann,
von den man hiute noch vil redt.
Der regen deheine stunt ne rann.
Ûf dem palas wir taten rasten
nach dem singen unde sagen.
Hernâh zum bercvrit wir tuon hasten.
(Den reigen wollen wir verdagen.)
Wir senden iuch der grüeze guote
Anne, Susi, Moni, Uote!
Im wunderschöenen manod mai,
tandaradei!

Anne-Ka, Susi, Moni und Ute

Schionatulander und Sigune

Das Gedicht ist entstanden, weil wir uns in der Vorlesung gewundert haben, wie man einen so schwer reimbaren Namen wie "Schionatulander" für ein Reimpaarepos verwenden kann.Schionatulander und Sigune

Und Schio rief: "Sigune!
Komm, schnitz mir eine Rune!"
Sigune sprach: "Oh, Schionatulander
(Ist denn kein andrer Mann da?)
Kannst Du mir nicht die Leine bringen
und mir danach ein Taglied singen?"
Sie dachte sich:"Hi hi,
das überlebt der nie!"
Denn statt Schionatulander
liebte sie nen Salamander.
Doch Schio, dieser Wicht,
der peilt das leider nicht.
Er rennt schnell los, in Liebesnot
und findet einen ruhmlos' Tod.

Enrea von Eschenbach

Prüfungsangst

Poem über das schwere Los einer Lernenden für die Literaturabschlussprüfung am Tag vor der Prüfung

Edelste Ermelind,

Pause mache ich soeben beim Lesen,
Recht leidlich nur ist mein Erfolg heut' gewesen.
Über Petrarca und Dichtung zu Rom
Find ich nur selten die Konzentration.
Und zudem mag mich das Schicksal heut' nicht,
Nicht Wissen bringt's mir noch klärendes Licht.
Grad so viel wie gestern schein' ich zu kennen;
Selbst einfachste Sachen kann ich nicht nennen!
An Fragen nur denk' ich, voll Kummer und Sorgen.
Nun ist's nicht mehr lang; der Tag ist schon morgen!
Gäb' Gott oder Zeus, wer immer grad mag,
Sein Wohlwollen mir nur am morgigen Tag...
Täglich fühl ich mich näher am Sarg!

Ergebendst, Enrea

Ode an einen verlorenen Schraubenzieher

Schrauben drehte er,
zog sie fleißig an,
Nun ist er verloren-
in memoriam.

War nie stolz;
bescheiden, immer pflichtbewusst
drehte er die Schrauben
wie er es gemusst.

Große Schrauben zog er-
jegliches Kaliber -
selbst die kleinsten Schräubchen;
Schraubenzieher, lieber!

Arbeitsamer, stiller,
(Nie auf Ruhm versessen) -
Schrauber; ach, wir wollen
Nimmer dein vergessen.



Von Ute Thalheim anlässlich der Trauer um einen verloren geglaubten Schraubenzieher, der sich dann aber doch wieder einfand

Abschiedsonett für Moni

Abschiedsonett für Moni
von Anne-Ka
Musst du denn bald nun wirklich uns verlassen
Ohn Reue einfach von uns gehen?
Nein, Moni, du siehst uns hier flehen:
In Leipzig sollst du Fuß doch fassen!

Kann man jedoch den deinigen Beschluss verstehen
Abseits von uns dein weitres Leben,
Heimat, Freunde, alles eben
Aufzubaun. Es muss geschehen

Nun sei es so, wir lassen dich von hinnen,
Auch wir solln eines Tages hier nicht mehr verweilen
Um andernorts ein neues Leben zu beginnen.

Schade ist es, Zukunft unbenommen.
Komm’ sehr bald wieder - trotz der vielen, vielen Meilen
Ach, könnten wir doch alle wiederkommen!