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Magisterarbeit

Meine Magisterarbeit habe ich 2006 über "frauenheilkundlichen Fachwortschatz im Frühneuhochdeutschen" geschrieben. Dazu habe ich Handschriften aus der Zeit (15. Jahrhundert) transkribiert - die meisten nur teilweise, eine aber sogar vollständig. Man kann die Handschriften in folgende Kategorien einteilen:

Insgesamt habe ich fünf Handschriften, die in der Universitätsbibliothek Leipzig, der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden und der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg liegen, genutzt.
UB Leipzig:

  • Ms. 906 ->Ortolf von Baierland: Arzneibuch
  • Rep. II 141 -> Secreta mulierum
  • Ms. 1192 -> Kindslagen

SLUB Dresden:

  • H 171 -> Secreta mulierum

UB Erlangen-Nürnberg:

  • B 33 fol. -> Kindslagenhandschrift als Teil der Secreta mulierum


Die wichtigste Erkenntnis war wohl, dass es für Tabuthemen wie Menstruation und Geschlechtsverkehr nur Umschreibungen gibt, die man teilweise auch ohne Textzusammenhang verstehen und nachvollziehen kann; bei manchen ist das aber synchron gar nicht möglich. Das gilt zum Beispiel für ire base geladen haben als Umschreibung für "Menstruation". Zwar gibt es heute noch ähnliche Konstruktionen wie die Tante aus Amerika zu Besuch haben, aber warum das nun ausgerechnet die Tante sein muss, erschließt sich m.E. nicht auf den ersten Blick.
Einige Wörter, die ich in meiner Wortliste habe, sind noch nicht in der Bedeutung, wie sie im Text zu finden sind, belegt, wie z.B. Gickel für "Hymen" oder Sinwel für das "Schwarz-vor-Augen-werden", wenn einem schwindlig wird. Dafür gibt es bis heute kein Wort mehr bzw. eben inzwischen keins mehr, weil sich Sinwel nicht durchsetzen konnte. Tragisch.
Alles in allem war es eine sehr interessante und spannende Arbeit, die auch Spaß gemacht hat. Ich würde es jederzeit wieder tun, aber man darf ja nur eine Magisterarbeit schreiben.

Nachtrag Februar 2015: Inzwischen ist der 1. Band Magisterarbeit auch bei GoogleBooks zu finden, allerdings nicht als Volltextversion. Ich nehme an, dass sie jemand zitiert hat und Google so auf sie aufmerksam geworden ist.